Das Runde statt das Eckige

Vor knapp 2 Jahren bekam die VHS Baar einen neuen Leiter – Jens Kohne. Mit ihm sollte auch ein frischer Wind im Erscheinungsbild der Bildungseinrichtung Einzug halten. Der bisherige Auftritt befindet sich gestalterisch irgendwo in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts.

Logo VHS Baar.
Logo VHS Baar. So sieht Wissensgewinn im neuen Jahrtausend aus: Vielfältig, spielerisch, leicht.

Logo mit Erklärungsbedarf.
Bei dem Gebilde im grünen Rechteck handelt es sich keineswegs um ein Sinnbild maskuliner Lendenkraft, sondern um eine liegende 8, aus deren endlos sich windenden Schleifen sich ein Pfeil nach oben erhebt, der wohl den Wissenszugewinn nach unendlich mühsamer Lernarbeit symbolisiert.

Dieses Zeichen stand bis 2011 für den Bildungs-Zweckverband der Städte Donaueschingen, Hüfingen, Bräunlingen und Blumberg.
Dieses Zeichen stand bis 2011 für den Bildungs-Zweckverband der Städte Donaueschingen, Hüfingen, Bräunlingen und Blumberg.

Das Bildzeichen war handwerklich ordentlich gemacht, die Typographie war jedoch unsäglich. Dabei spiegeln die Schwere und Kantigkeit sowie die klinische Farbgebung eher das Bildungsverständnis der 70er Jahre wider als die heutige Ausrichtung der VHS Baar. Der entscheidende Kritikpunkt ist die Austauschbarkeit dieses Bildzeichens. Es nimmt ebenso wenig Bezug auf die vier Städte, ihre besondere geografische und bildungskulturelle Verbindung wie auf ein zeitgemäßes Verständnis von Wissensvermittlung.

Der Mittelpunkt des neuen Erscheinugsbildes der VHS Baar sollte ein Logo sein, das Frische, Transparenz, Offenheit und die Verknüpfung von vier Städten symbolisiert. Ein Logo, das auch durchaus provokant in seiner Form sein durfte, um die neue Ausrichtung der Bildungsstätte im Bewusstsein der Menschen zu verankern.

Der am Ende umgesetzte Entwurf basiert auf folgenden Überlegungen:

Wie kann ein Logo aussehen, das einen Bildungsträger darstellt? Der in zahlreichen Gebäuden in 4 Städten seine Kurse anbietet mit vielfältigem Inhalt für verschiedene Zielgruppen? Wie kann man zeigen, dass Bildung etwas ist, das sich ausbreitet, das wächst und sich mit bereits vorhandenem Wissen zu Neuem verbindet? Etwas, das Spaß machen kann und dem Leichtigkeit anhaftet?

Aus welchen Fakten heraus lässt sich ein solches Logo entwickeln?

Ein erster Anhaltspunkt war die Lage der vier Städte in der Quellregion der Donau. Ihre Position zueinander reizt kompositorisch, vor allem, wenn man die Städte durch Punkte darstellt deren Größe ihrer Einwohnerzahl entspricht.

Aber was ist Wissen?

Wissen ist doch etwas, das wächst, das ausstrahlt, das Wellen wirft. Vielleicht tatsächlich messbare Wellen der Hirnströme, aber auch soziokulturelle Wellen, die sich mit denen anderer Köpfe überschneiden, Kämme aufwerfen und dadurch Neues ergeben.

Wenn man also Quellwasser, geographische Lage, Wissenszugewinn und vier Städte miteinander verknüpft, dann müsste daraus doch das ideale Logo für die VHS Baar entstehen.

Ein in diesem Bereich einzigartiges und durchaus gewagtes Wort-Bild-Zeichen. Wie ein Schnappschuss einer Wasseroberfläche im Regen. Als Nachhall bleiben sich konzentrisch ausbreitende Wellen. Durch die Ausarbeitung der Wellen als unterschiedlich kräftige Höhenlinien erhält das Zeichen eine fast greifbare Dynamik. Man hat den Eindruck, die Wellen weiter wachsen zu sehen. Wissen breitet sich aus: wie beim Tropfen kommt der Impuls zwar aus der Einschlagsstelle. Die Wellen, die es schlägt, sind aber selbst viel größer, ausgreifender und überlagern sich.

Diese Logoentwicklung hat uns viel Spaß gemacht, und der Kunde war begeistert.