Edles Material, perfekte Verarbeitung, individuelles Finish.
Von der Lust zu kombinieren und zu improvisieren

Die Aufgabe

Wir sind umgezogen. Deshalb brachten wir unsere Geschäftsausstattung auf dem neuesten Stand. Neue Kärtchen mussten her.
Bei den bisherigen Umzügen nutzten wir immer die Gelegenheit, unser Erscheinungsbild insgesamt zu aktualisieren und so ganz nebenbei die Adressdaten anzupassen. Weil wir gern gestalten und weil wir mit unseren eigenen Sachen zeigen wollen, was wir in Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten möglich machen können.

artur bekommt neue Geschäftskärtchen
artur bekommt neue Geschäftskärtchen

Die neuen Karten müssen sich mit unseren letzten Geschäftskärtchen messen: Klappkarten, innen individualisiert und mittels gestanzter Reißlasche zu öffnen.

Foto von der alten Visitenkarte; Klappkarte mit Aufreißlasche
Klappkarte mit Aufreißlasche. Diese Karte verwendeten wir bisher.

Die Idee

Auf Bernds Schreibtisch landete irgendwann ein wunderschöner schlichter Kalender. Ein Muster unseres Papieranbieters. Der Umschlag besteht aus dreifach kaschiertem, unterschiedlich durchgefärbten Karton. Mehrlagenverbund heißt das im Fachjargon. An den Kanten entsteht dabei ein besonders interessantes mehrfarbiges Schnittbild. Das wirklich Besondere an dem Kalender war aber, dass mittels Laserstanzung die Jahrszahl in die oberste Papplage geschnitten wurde. Sie leuchten nun gelb aus dem edlen Grau. Très chique!

Hardy hat einen Hang zum Dreidimensionalen, also hat er diese Anregung genutzt: Das Logo aus weißer Pappe ausgelasert. Wenig intensives Rot blitzt aus einer weißen Fläche heraus.
Unser Logo ist ein weißer Hahn in rotem Feld, dieses wiederum von weißem Raum umgeben. Die Umsetzung mit Laserschnitt funktioniert folglich nur, wenn drei Lagen verbunden und zwei davon ausgelasert werden. Die unterste Schicht ist weiß. Darauf wird der rote Karton kaschiert. Zuvor wird in die rote Lage der Hahn gelasert. Darauf kommt dann die obere Schicht, in die vorher aber die Außenbegrenzung des Logos gelasert wurde. Zwei Lagen sind zwingend passgenau zu kaschieren.

Kann das überhaupt jemand?

Die begeistert formulierte Produktionsanfrage brachte sechs Druckereien erst ins Schwitzen und dann zur Strecke. Unsere Idee birgt nämlich gleich zwei mögliche Fehlerquellen.

Zum Einen kann das Laserstanzen wirtschaftlich nur auf einem ganzen Pappbogen realisiert werden. 30 Logobegrenzungen aus dem weißen Bogen stanzen, 30 Hähne aus dem roten Bogen stanzen, beide zusammen auf einem weiteren weißen Bogen aufkaschieren, ordentlich Druck ausüben. Um eine Winzigkeit liegen die Motive nicht korrekt übereinander, Totalschaden: Innerhalb eines Bogens konnte der Versatz zwischen den Motiven einen Millimeter betragen. Kaschiert auf den zweiten Bogen konnte sich der Wert bereits auf zwei Millimeter aufsummieren. Bei einem Logo von zehn Millimetern Breite hätte die Fehlerquote bei 50 % gelegen. Eine zu hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Hahn also keinen Kamm, Schnabel oder Hals hat.

Das zweite Problem entsteht durch den Kaschiervorgang selbst. Die Lagen müssen verklebt und dann gepresst werden. Durch den hohen Anpressdruck könnte der Kleber in die freien Bereiche des Motivs fließen. Totalschaden Nummer zwei.

Da hat sich keiner rangetraut.

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Mehrlagenverbund, die Kante sieht toll aus!

Papierfrust oder -lust?

Gaben wir auf und dachten uns etwas Neues aus?
Von der Kundenberatung unseres Papierlieferanten Römerturm bekamen wir den entscheidenden Hinweis: Der Papierveredler Sylvia Lerch in München traute sich dieses Projekt zu.
In einem Probedurchlauf wurden die beste Einstellungen für die Maschinen gefunden: Der Laser wurde justiert und damit Schmauchspuren vermieden, die Probleme beim Kaschieren und bei der Platzierung wurden gelöst.

Unsere Karten im Dreilagenverbund mit Laserstanzung waren fertig.

Visitenkarte blanko und mit der gestempelten Vorderseite
Blankokarte. So haben wir sie bestellt.
Detailansicht der Karte
Präzise gelasert, verklebt und gestempelt. Man braucht eine ruhige Hand und den richtigen Druck.

Finish in Handarbeit

Aus Kostengründen ließen wir die Karten nicht bedrucken. Aber wie wird denn jetzt aus einer Karte eine Visitenkarte?
Wir entschieden uns dafür, die Karten bei uns im Hause zu vollenden und zwar von Hand mit Stempeln. Die Vorderseite ist für alle Karten gleich – soweit man das von einem Stempelabdruck behaupten kann. Jeder Mitarbeiter bekommt einen eigenen Stempel für die Rückseite.

Lasercut, Mehrlagenverbund, Stempel. Gefertigt aus  wunderschönem Papier. Das kann sich wirklich sehen lassen. Wir machen sowas übrigens auch gerne für Kunden.

Vorder- und Rückseite der Visitenkarte
Vorderseite und Rückseite
Einzelne Arbeitsschritte, Mehrlagenverbund, Lasercut, Stempel
Geschafft! Jetzt müssen wir uns nur wieder von unseren Schätzchen trennen können. Ab jetzt bringen wir sie unter die Leute.