Jeder Internetnutzer surft anders: Unerwartete Stolpersteine und Erkenntisse beim Usablity-Test

Ein Kunde hat uns mit dem Entwurf eines Online-Shops für Stockfotos beauftragt, und im Zuge der Entwicklung haben wir zur Optimierung der Bedienbarkeit des Shops zwei Usability-Tests durchgeführt, bei denen wir zu interessanten Erkenntnissen gekommen sind.

Bei digitalen Anwendungen wie Webseiten, Online-Shops und Apps ist eine Prüfung der Usability, also der Bedienbarkeit, ein sehr wichtiger Bestandteil. Unser Ziel bei einem Entwurf und der technischen Umsetzung ist es immer, dem Benutzer einen intuitiven und bequemen Umgang mit der Anwendung zu ermöglichen. Er soll sich auf der Seite wohlfühlen und das Gefühl haben sich auszukennen – und nicht durch schlechte Benutzerführung abgeschreckt werden. Gerade bei Online-Shops ist das elementar, denn jeder abspringende Benutzer ist auch ein verlorener Kunde.

Die Schwierigkeit liegt darin, sich als Gestalter und Entwickler in den Seitenbesucher hineinzuversetzen. Schließlich war dieser bei der Konzeptionierung der Seite nicht dabei und kennt nicht jeden Bestandteil und jede Funktion. Er muss die Seite alleine entdecken und verstehen. Erfahrene Designer haben ein Gespür dafür, über welche Hürden ein erstmaliger Benutzer einer Anwendung stolpern könnte und wie er diese vermeiden kann. Sie wissen auch, dass fast jeder Mensch seinen Computer und das Internet anders bedient, und können dadurch viele Eventualitäten bereits bei der Entwicklung berücksichtigen und simulieren. Einfacher ist dieser Vorgang natürlich, wenn man den Benutzern beim ersten Seitenbesuch direkt auf die Finger schauen kann – und bei einem Usability-Test ist das auch möglich.

Dafür sind wir zum Kunden gefahren und konnten nacheinander nicht in das Projekt involvierte Mitarbeiter dabei beobachtet, wie sie versucht haben, von uns gestellte Aufgaben rund um den neuen Shop zu bearbeiten. Vor dem Test haben wir einen umfangreichen Fragenkatalog erstellt, der realistische Szenarien beinhaltet hatte wie etwa: „Sie arbeiten als Redakteur für eine Zeitung, brauchen ein Foto und sind auf diese Seite gestoßen. Suchen Sie hier nach einem passenden Bild.“

Fotografie eines Aufgabebogens mit Notizen
Den Testpersonen wird beim Bearbeiten der Aufgaben auf die Finger geschaut – und jeder Schritt dokumentiert.

Während die Testpersonen die Aufgaben erfüllt und die Seite bedient haben, haben wir uns im Hintergrund gehalten, den Ablauf beobachtet und alle Auffälligkeiten protokolliert. Um auch einen Einblick in die Gedankengänge der Probanden zu erhalten, hatten wir sie darum gebeten, ihre Überlegungen während des Tests laut auszusprechen. Dadurch bekamen wir einen Eindruck davon, worüber sie sich beim Bedienen der Seite den Kopf zerbrochen haben.

Durch die Tests bekamen wir Antworten auf wichtige Fragen. Ist das Warenkorb-Icon als solches erkennbar? Ist das Suchfeld auffällig genug positioniert und sind die Kategorien sinnvoll gewählt? Wie zufriedenstellend sind die Suchergebnisse? Ist klar, in welcher Größe das Foto gekauft werden muss?

Jeder Mensch geht anders an eine Aufgabenstellung heran, den Internetbenutzer gibt es nicht. Der eine navigiert über die Pfeil-Buttons des Browsers, der andere benutzt das Hauptmenü des Shops. Es ist immer wieder überraschend für uns, welche Probleme und Fragen bei dem Besuch einer Webseite auftreten können. Dabei handelt es sich auch manchmal um Hürden, die weder Kunde noch Entwickler vorher in der Form erwartet hatten.

Screenshot der Shop-Seite
Damit sich der Besucher auf einer Webseite zurechtfindet, müssen klare und verständliche Icons verwendet werden.

Beispielweise hatte unser Kunde für die Größenangaben der Fotos die Maßeinheit Pixel gewählt. Nachdem mehrere Testpersonen darüber gestolpert sind und nicht wussten, in welchen Maßen sie das Bild kaufen müssen um es später abdrucken zu können, war uns sofort klar, dass hier nachgebessert werden muss. Also wurden die Millimeter-Maße ergänzt. Von derart kleinen Nachjustierungen gab es mehrere, weswegen wir uns dazu entschieden hatten, nach der Korrekturrunde einen zweiten Test durchzuführen. Dadurch konnten wir die Usability des Shops Stück für Stück verbessern.

Ein Usability-Tests ist dank der oftmals überraschenden und tiefen Einblicke, die man aus ihm erlangt, ein wunderbares Werkzeug, um nach einer gründlichen Analyse der Testergebnisse die Bedienbarkeit einer Webseite noch einmal spürbar zu optimieren und nicht unnötig Besucher zu verlieren.